ausstellung

Zu jedem Sommersemester planten und entwickelten wir eine Abschlussausstellung, um unsere eigenen Arbeiten zu den Links und Interviews der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Zum 100. Bauhausjubiläum im Jahr 2019 sollte dieser dreijährige Prozess seinen Höhepunkt finden. 
Im Rahmen des Kongresses „Denkraum Bauhaus”, der vom 26.-29. September 2019 an der Bauhaus Universität Weimar ausgerichtet wurde, sollte nun das gelungene Experiment einer dialogisch-künstlerischen Praxis im Sozialen Raum in einer Ausstellung im geräumigen Atelier des Hauptgebäudes der Universität präsentiert werden. 
Dies bot uns die Möglichkeit umfangreichere Vorhaben zu realisieren (Performance "Wegsehen", siehe Prozesse) und unsere künstlerischen Arbeiten zu runden, die sich aus den Interviewlinks abgeleitet hatten, inzwischen aber zu unseren eigenen geworden waren.

Shortcuts (2018-2019)
Lia Ziebell

Die Infrastruktur in Dörfern und Städten versucht uns Menschen möglichst schnell und effektiv zu unserem Ziel zu bringen. Doch trotz den vielen geplanten Wegen und Straßen finden sich immer wieder kleine Trampelpfade und Abkürzungen, die sich Menschen selbst schaffen.

Zu sehen sind verschiedene Trampelpfade die seit 2018 in Berlin, Weimar, München, Würzburg und Schweinfurt gesammelt wurden.

Bó Lín Ài Yuè (2019)
Zhaoyue Fan

„Bó Lín Ài Yuè“ 柏林爱乐 ist der chinesische Name für „Berliner Philharmonie”, während eine von Pekings Wohnanlagen ebenso benannt wurde.

Viele Mittelstand Wohnanlagen in China wurden nach europäischen Orten oder bekannten Gebäuden benannt. Solche Namen stehen im Allgemeinen für die Vorstellung eines "besseren" Lebens. Aber sind die Menschen, die hier leben, wirklich von diesem Namen betroffen? Wirkt sich diese Benennung umgekehrt auf die Berliner Philharmonie aus? 
Durch die Fehlplatzierung von Aktionen werden die Beziehungen zwischen Kultur, Orten und Identitäten hinterfragt. 

Ich = Brücke (2017 - 2019)

Lara Hann

"Kreise um sich selber ziehen, um Halt im Leben zu finden"

Ausgehend von diesem Impuls habe ich mich künstlerisch mit dieser Erfahrung auseinandergesetzt, indem ich einen Reifrock passend zu meinem Körper gebaut habe. Durch ihn entsteht ein Raum, der gleichermaßen selbstbegrenzend als auch Platz erstreitend ist.  
Die Performance lotet die Grenze zwischen Selbstöffnung und selbstversunkenem Bewusstsein aus. Später wird diese Beziehung auf Gegenstände übertragen, wie zum Beispiel aus leblos erscheinende Wohnblöcke. Am Ende ist es das Spiel, das Selbst-zum-Kreis-Werden, das in eine freudige Selbsterkundung mündet. 

Geschichte des Vergehens und Vergessens (2018-2019), Emmy Klaus 


Eine Auswahl meiner Funde an Gegenständen, welche andere zurückließen. 
Was ist geblieben von vergessenen Momenten? Für mich strahlt das Vergehen dessen, was niemals ganz vergeht, eine beinahe hypnotische Schönheit aus. Vielleicht erwacht deine eigene Faszination und es findet eventuell sogar ein Moment der Selbstreflexion bezüglich des eigenen Umgangs mit Müll statt.

Wandelgänge (2018 - 2019)
Julia Rentsch 

Ein mit Säulen durchsetzter, überdachter Gang - vom Menschen erschaffen, vom Individuum benutzt, durchschritten und berührt - als verbindendes Element zwischen Architektur und Menschentum.

Kolonnaden und Arkaden sind sowohl in der Architektur des ehemaligen Gauforums Weimars, als auch in der HfG Ulm zu erblicken. 

In Ihrem Ursprung, der minoischen und mykenischen Architektur, boten solche Gebilde Schutz und Platz für freiheitliche Gedanken und Philosophien. Welchen Wert nehmen sie heute für uns ein?

Über_Wunden (2017-2019)
Aimee Patts

Laut Angaben des Flüchtlings- hilfswerkes der Vereinten Nati- onen (UNHCR) sind über 70,8 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht

Mit dieser Konstruktion wird Artikel 33 der Genfer Flüchtlingskonvention in Frage gestellt, der das Verbot formuliert, Flüchtlinge in Gebiete zurückzuweisen, in denen ihr Leben oder ihre Freiheit bedroht ist.  


Sofronia (2018-2019)
Lea Maria Münnich 


Die Stadt Sofronia von Italo Calvino ist aus zwei halben Städten zusammengesetzt. 

Ein Teil der Identität befindet sich in einem stetigen Wandel, beeinflusst durch Menschen, Ereignisse und statische Rahmenbedingungen. 

Der andere, verharrende Teil, auch wenn er unverändert anmutet, ist trotz allem stetigen Veränderungen und Bewegungen unterworfen, gleich denen eines Jahrmarktes.

Eine Antinomie zwischen Zusammenspiel und Gegensatz, zwischen Bewegung und Verharren. 

Türen und Fenster (2018-2019)
Jonathan Röthe


Ein Experiment an Türen und Fenstern, an Einblicken und Ausblicken, an Sehen und Gesehen werden.


Die Arbeit befasst sich mit dem Thema des Übergangs von Räumen ineinander und der sozialen Funktion in der Gesellschaft.

Hierbei werden die allgegenwertigen Raumbestandteile Tür und Fenster in den Mittelpunkt gerückt. Diese weisen unter- schiedliche Merkmale auf, die innerhalb des Experimentes verändert worden sind und zur Selbstreflexion anregen sollen.

Bewegungsspuren (2017-2019)
Frederieke Schmidt

Den eigenen Spieltrieb (wieder) entdecken und den Kreisel seine farbigen Bahnen ziehen lassen, um die eigenen Spuren sichtbar zu machen.

Was spüre ich, wenn ich wieder einmal zweckfrei spiele? Welche Bewegungen in meinem Alltag laufen auch stets gleichförmig ab? Nutzen sie mir und geben sie mir Halt oder lähmen sie mich und machen mich unflexibel für Neues? 
Wer oder was hat heute Spuren in mir hinterlassen?

Identitätsgerüst (2018-2019)
Thomas Hasan Steinmüller

Da alles Veränderung unterworfen ist, kann nur bestimmtes überdauern und somit von universeller Natur sein.

Wir sind wandelbar und zeigen bestenfalls viele Facetten, die meist nur Wenigen in ihrer Bandbreite bekannt sind. Oft fehlt einem Selbst doch auch die Kenntnis über sich selbst.
Die erste Manifestierung lieferte mir Grundlage für die weitere, fortdauernde Erklärung. Auf wesentliche Merkmale reduziert und angemessen angepasst stellt Identifikation immer ein an den Moment angepasstes Wesen dar. Dynamisch, kann sich manifestieren oder auflösen, erkennen oder verdrängen, existieren oder leben. Stets läuft es auf dasselbe hinaus - etwas temporäres.

Heute Jorge Semprún Platz (2018-2019)
Laura Wiemers

Wenn Orte etwas sagen, kann man auch darauf reagieren.

Die Stadtstruktur in ihren Linien, in Veränderung und Umgestaltung - man steht auf einem Zwiebelschalenuntergrund.

Hier verhalte ich mich, hier bin ich - als darauf im Schichtengeflecht.

Und dann die Frage:
Was tut sich auf, wohin führen Gänge?

Everything Baby Blue (2019)
Ruo-Jin Yen

Sculpture from Plaster

Die Zeit scheint für einen kurzen Moment still zu stehen. Ich versuche ein Objekt zu machen, um den Moment zu reflektieren.

alien, alienated, alienation (2019)
Zhaoyue Fan


alien [law]. a person who in a country is not the national of that country.
alienus. latin. "belonging somewhere else"


Als ausländische Studierende, wenn ich nach meiner Identität gefragt wurde, kam mir das englische Wort "Alien" sofort in den Sinn. Zwei einfache Fragen folgen danach: Wie fühlt es sich an "Alien" zu sein? Wie sieht man als "Alien" aus?
Ich versuche die zwei Fragen auf unterschiedliche Weisen zu beantworten: eine Serie visuell-experimenteller Tuschmalerei und Papierstapel, sowie Papierrollen aus dem alltäglichen Leben.